MÜHLHEIM AM INN

Pfarrkirche  Mariä Himmelfahrt

2026       Restaurierung der Stephan-Gast-Orgel von 1787

               I / P   10 Register

I. Manual:   C, D, E, F, G, A c3
Portuon   8'        C-H 1787 Nadelholz offen, ab c° 2026 rekonstruiert
Copel   8'        Nadelholz / Eiche gedeckt, 1787
Gamba   8'        C+D Holz offen, 1882 , ab E Zinn-Blei 1787
Principal   4'         C-gis2 im Prospekt, 2026 rekonstruiert,
Flöten   4'        Nadelholz / Eiche offen, 1787
Quinte   3'        Zinn-Blei 1787
Octav   2'        Zinn-Blei 1787
Mixtur 4-3fach   11/2'    Zinn-Blei 1787
Pedal:    C, D, E, F, G, A
Subbass 16´        Nadelholz, gedeckt, 1787
Octavbass   8´        Nadelholz, offen, 1787

Das Manual ist über Koppelventile fest ans Pedal gekoppelt

Die Restaurierung der Mühlheimer Orgel bedeutete für unsere Werkstatt zugleich Herausforderung und Faszination. Die historischen Orgelbauer Gast und Schwarzmayr  aus dem oberösterreichischen Wippenham waren für uns bis zu diesem Projekt völlig unbekannt. Die Recherchen für die Restaurierungsarbeiten konnten sich nur mit wenigen erhaltenen Instrumenten befassen, die zumeist nur noch wenig Substanz von Gast enthalten. Spätestens beim Abbau wurde offensichtlich, dass die Mühlheimer Orgel nicht nur das am besten erhaltene Instrument dieser Familie ist. Auch die Mühe um Qualität und die offensichtliche Liebe zum Detail konnte man an fast jedem einzelnen Bauteil ablesen.
Die Arbeiten hatten einerseits zum Ziel, das erhaltene Material, wie Gehäuse, Pfeifenwerk, Windladen und die Mechanik bestmöglich zu erhalten und zu bewahren. Zum anderen sollten die verloren gegangenen Bauteile wie beispielsweise die Prospektpfeifen und die Windversorgung möglichst authentisch wieder hergestellt werden. Dazu wurden einige der wenigen Instrumente, die von Stephan Gast und seinem Umfeld noch erhalten sind, aufgesucht und Details dokumentiert.
Die beiden großen Windladen bilden das technische Herzstück der Orgel. Bis zu Abbau waren wir noch der Meinung, dass von der historischen Manualwindlade nur noch die Pfeifenstöcke und Schleifen erhalten geblieben waren. Der gesamte Unterbau schien 1976 erneuert worden zu sein. Doch dann offenbarte sich, dass bei der damaligen Restaurierung der alte Kanzellenrahmen mit Sperrholz und Furnier überleimt worden war, um die Schäden des Holzwurmbefalls zu kaschieren. Für diese erfreuliche Entdeckung nahmen wir gerne die mühevolle Freilegung und Restaurierung der historischen Substanz auf uns. Von der Werkstatt Gast wurde für einige Bauteile leider  Buchenholz verbaut, das relativ anfällig für Anobienbefall ist. Dennoch ließen sich die Fraßgänge gut mit einem Festigungsmittel (Paraloid B72) stabilisieren.
Zur Rekonstruktion der Windanlage gab es von Stephan Gast keine direkten Vorbilder mehr. Glücklicherweise aber hat sich auf dem Dachboden der Kirche im benachbarten Kirchdorf noch eine historische Balganlage mit drei Keilbälgen erhalten, die bereits lange außer Betrieb ist. Neuesten Forschungen zufolge wird diese Anlage dem Orgelbauer Joseph Joachim Cronthaler zugeschrieben, zu dem Stephan Gast in Verbindung stand. Nachdem man sich dagegen entschieden hatte, eine vollständige Windanlage mit drei Bälgen zu rekonstruieren (diese hätten dann, wie früher, von Hand betätigt werden können - der Platzbedarf und die Kosten sprachen jedoch nicht dafür), wurde lediglich ein neuer Keilbalg nach dem Kirchdorfer Vorbild angefertigt und zusammen mit dem neuen Gebläse in einem Podium neben der Orgel montiert. Dieses Podium kann nun von Kirchenchor und Musikern genutzt werden. Über neu gefertigte Windkanäle aus feinjährigem Fichtenholz wurden die Windladen schließlich an die neue Balganlage angeschlossen.
Das Register „Portuon 8'“ war nur noch in der tiefen Oktave original erhalten. Die 1921 eingefügten Pfeifen mit Lochlabium ("Philomela 8') wurden eingelagert und das ursprüngliche Register nach Vorbild der tiefen Pfeifen und anhand der Ausschnitte im noch erhaltenen Pfeifenraster nachgebaut.

Die 49 neuen Prospektpfeifen haben wir nach Vorbild des teilweise noch erhaltenen Prospektes in Pattigham rekonstruiert. Ungewöhnlicherweise enthält der Mühlheimer Orgelprospekt aus architektonischen Gründen acht zusätzliche Pfeifen, die als stumme Blindpfeifen ausgeführt sind.
Während der Wintermonate 2026 wurde die ursprüngliche blau-graue Gehäusefassung durch den Restaurator Thomas Flanderka aufwändig freigelegt und ergänzt.
  Zuletzt war die Orgel gleichstufig gestimmt. Die ursprüngliche Stimmtonhöhe dürfte im ausgehenden 18. Jahrhundert um die 430Hz gelegen haben. An den offenen Holzpfeifen erkennt man noch die Stimmausschnitte, die angebracht wurden, um das Pfeifenwerk auf die heutige Tonhöhe von etwa 440Hz anzuheben. Die Metallpfeifen wurden damals vermutlich kurzerhand etwas nachgeschnitten, wodurch sämtliche Informationen über eine mögliche ungleichstufige Temperierung wie sie bis ins 19. Jahrhundert hinein angewandt wurde, verloren gingen. Die Stimmtonhöhe von 440Hz wurde nun belassen, um das Zusammenspiel mit anderen Instrumenten weiterhin unkompliziert zu ermöglichen. Um dem Instrument aber wieder den unverwechselbaren Klang zu geben, der so typisch für seine Entstehungszeit ist, haben wir bei den Intonationsarbeiten eine 1/6-Komma-Stimmung gelegt, die sich ohne weitere Eingriffe am Pfeifenwerk gut anwenden ließ und den verschiedenen Tonarten eine hörbare Charakteristik gibt.